Die Wirkung von neuen Möbeln und anderen Farben an den Wänden ist in der Realität oft eine andere als während der Planung im Kopf. Hier kann virtuelle Raumplanung dabei helfen, kostspielige Fehlversuche zu verhindern, weil sich bestimmte, zuvor nicht bedachte Aspekte bereits in der frühen Entwicklungsphase zeigen. Moderne 3D-Raumplaner verfolgen hierbei zwei unterschiedliche Ansätze.

 

VR oder AR?

Die beiden Hauptrichtungen der Raumplanung am Computer sind „Virtual Reality“ (VR) und „Augmented Reality“ (AR). Bei Virtual Reality handelt es sich um eine vollständig künstlich generierte Welt im Raumplaner. Sofern die Umgebung nicht realitätsnah modelliert wird, bleibt die Wirkung der Möbel am tatsächlichen Standort auf diese Weise weiterhin vor allem Kopfsache. Anders bei der Augmented Reality. Hier wird in der Realität vorhandener Raum künstlich reproduziert oder ist direkt im Blickfeld sichtbar, um dort Gegenstände oder Personen virtuell einzufügen. Der neue Schreibtisch kann auf diese Weise maßstabsgerecht ins Büro eingefügt und in verschiedene Richtungen verschoben werden. Auf diese Weise lässt sich bei Auswahl mehrerer Modelle testen, welcher Schreibtisch sich optisch am besten in die vorhandenen Räumlichkeiten einfügt. AR-Apps – wie beispielsweise IKEA Place – sind daher derzeit die beliebtere Technik, wenn es um die Gestaltung bestehender Räumlichkeiten geht. Ohne eine bereits existierende Umgebung kann die AR-Technik jedoch nicht eingesetzt werden.

Screenshots aus IKEA Place
IKEA Place - Quelle: www.ikea.com

Vorteile der VR

Mit Virtual Reality lassen sich alle erdenklichen Umgebungen planen – auch solche, die noch nicht existieren. Diese Technik hat zudem den großen Vorteil, dass man direkt in den Raumplaner „eintauchen“ kann. Größen und Proportionen neuer Einrichtungsgegenstände sind auf diese Weise besser nachzuvollziehen als innerhalb der zwar maßstabsgerechten, aber eben auch deutlich kleineren Darstellung im Rahmen der meisten AR-Anwendungen. Außerdem macht es auf Kunden einen nachhaltigeren Eindruck, mittels 3D-Headset direkt in den Raumplaner versetzt zu werden und dort die verschiedenen Modelle vorgestellt zu bekommen. Ein Bild der eigenen vier Wände auf einem Bildschirm, in welches neue Möbel eingefügt wurden, ist demgegenüber deutlich näher am gewöhnlichen Alltag.

VR-Raumplanung mit Inreal - Esszimmer
VR-Raumplanung mit Inreal: Beispiel Esszimmer
VR-Raumplanung mit Inreal - Büro
VR-Raumplanung mit Inreal: Beispiel Büro

Mittelfristig wird es zu Überschneidungen kommen

Da aber beide 3D-Techniken ihre Vorzüge haben, ist der Markt geteilt. Während Unternehmen wie IKEA und Amazon Verfechter von AR sind, setzt das amerikanische Einrichtungshaus Macy’s klar auf VR. Allerdings dürfte dieser Richtungsstreit in Zukunft fast von selbst auslösen. Denn zum einen entwickelt sich die Technik so weiter, dass sich private Räume bald problemlos dreidimensional erfassen lassen werden und zum anderen nimmt die Zahl der privaten Eigentümer von 3D-Headsets stetig zu. In Kombination dürfte dies dazu führen, dass sich in Zukunft der Unterschied zwischen AR und VR in Sachen Raumplaner auflösen wird und die Planung neuer Einrichtungen in real existierenden, virtuellen Räumlichkeiten stattfinden kann.