#Leadership – Wieso Homeoffice den Teamspirit zerstört

Selbst entscheiden zu können, wann und wo man arbeitet ist der Traum vieler Kollegen und wird aktuell im Zuge der New Work-Debatte viel diskutiert.

Auch bei uns ist die Causa Homeoffice ein Thema. Dabei muss ich abwägen und in die Diskussion mit den Kollegen gehen: Was spricht dafür? Was dagegen? Und wie möchten wir das in Zukunft handhaben?

Positive Beiträge zu Homeoffice gibt es viele. Viele Statistiken predigen, dass Homeoffice die Produktivität fördert. Auch hat die aktuelle Umfrage von Statista ergeben, dass sogar 35% Prozent der Deutschen aussagen, dass sie für mehr Flexibilität und Homeoffice sogar ihre derzeitige Stelle kündigen würden.

Klar, der Gedanke ist verlockend. Man fällt aus dem Bett und ist quasi schon direkt am Arbeitsplatz. Den Schlafanzug kann man dann auch den ganzen Tag anlassen. Man spart sich ebenso viel Zeit, die man ansonsten im Auto, Fahrrad oder in der Bahn mit dem Arbeitsweg verplempert, genauso fällt die manchmal lästige Parkplatzsuche raus. Dazu kommt, dass man manchmal weniger abgelenkt wird. Jeder kennt es, man arbeitet gerade sehr konzentriert an einer wichtigen Sache, da stehen die Kollegen auf der Matte, die (natürlich) ebenso wichtiges mit einem besprechen möchten. Schon ist man wieder draußen und braucht beim nächsten Anlauf wieder Zeit, um sich in die Materie rein zu denken. Zuhause hat man oft die nötige Ruhe, um Sachen einfach einmal abzuarbeiten. Ebenso bei der Vereinbarung von Familie und Beruf, beispielsweise wenn das Kind krank zu Hause bleiben muss, ist es von Vorteil, daheim arbeiten zu können.

 

Alle diese Dinge kann ich so unterschreiben – aber jetzt kommts:

Ich bin kein Freund von Homeoffice.

Welche Gründe das hat?

Zum einen glaube ich, dass es falsch ist, Homeoffice als den heiligen Gral für alle Positionen und Tätigkeiten zu sehen. Klar gibt es Arbeiten, die man gut zu Hause machen kann, wie beispielsweise Rechnungen zu bearbeiten oder einen Artikel wie diesen zu schreiben. Dem Gegenüber gibt es jedoch auch viele Dinge, die man im Team machen muss oder sollte und die die Nähe seines Teams benötigt. Dabei geht es um das einfache Rücksprache halten und die Möglichkeit, Dinge abzuklären, aber auch um wichtige Diskussionen, bei denen neue Ansätze und Ideen entstehen können. Kann man ja auch über Chat und Telefon machen, werden jetzt einige von euch denken. Auch das stimmt – ist meiner Erfahrung nach jedoch nicht das Gleiche. Wir arbeiten an unseren Kundenprojekten und an der Weiterentwicklung und Kreation von neuen Produkten sehr eng zusammen und profitieren dabei immens von dem kreativen Austausch, der in der gemeinsamen Arbeit entsteht. Dazu gehören viele Diskussionen, das gegenseitige Abarbeiten aneinander und auch Konzepte, die wir gemeinsam wieder verwerfen, genauso wie einen Erfolg gemeinschaftlich zu feiern. Überraschung- auch dazu gibt es eine Studie der Stanford University, die sogar belegt, was mir mein Gefühl sagt:

Innovative Ideen leiden unter Homeoffice.
Sie entstehen viel öfters beim gemeinsamen Brainstormen im Unternehmen.

Was ich bei uns so liebe, ist der Teamspirit und der gemeinschaftliche Humor, den meine Kollegen teilen. Es wird immer viel gelacht. Bei einer Umfrage, die wir vor kurzem intern durchgeführt haben und bei der gefragt wurde, was ein neuer Kollege unbedingt mitbringen sollte, war „der Humor eines 14jährigen“ ein wichtiges Kriterium. Egal wie stressig es ist, so lange ich sehen und hören kann, wie die Kollegen in der Küche noch gemeinschaftlich lachen und sich gegenseitig mit Gifs und Memes aufheitern, kann ich noch beruhigt schlafen. Wie aber kann man diesen Teamgeist spüren, wenn man daheim ist und quasi als Einzelkämpfer seine Arbeit erledigt?

Eine andere Problematik sehe ich in der teils schwierigen Trennung von Beruf- und Privatleben. Fällt es nicht schwerer, abzuschalten, wenn die Unterlagen in der Wohnung verteilt sind, man zwischendrin mal kurz die Wäsche macht, parallel mit dem Kunden telefoniert und abends irgendwie nicht so richtig das Gefühl hat, konsequent gearbeitet zu haben und nun einen Schlussstrich ziehen zu können?

Das alles bedeutet nun aber nicht, dass bei uns nie jemand im Homeoffice arbeitet und Flexibilität ein Fremdwort bei Inreal ist. Wenn es die Situation erfordert, da man zuhause gebraucht wird oder es sinnvoll ist, dass ein Kollege mal in Ruhe arbeiten kann, stehe ich keinem im Wege. Vertrauen ist dabei auch kein Thema – davon bekommen meine Kollegen genug von mir. Nur zum Alltag und zur Routine möchte ich es bei uns nicht machen. Dazu glaube ich zu sehr daran, dass wir viel mehr voneinander lernen können, wenn wir vor Ort aufeinander treffen.

Mein Fazit:

Schafft eine Arbeitsumgebung, die besser ist als das Arbeiten im Schlafanzug daheim und eine genauso, wenn nicht noch produktivere Arbeit ermöglicht. Eine Atmosphäre und Räumlichkeiten, in denen es möglich ist, konzentriert zu arbeiten, aber man sich ebenso ungestört mit den Kollegen austauschen oder mal rumalbern kann. Eine Arbeitsumgebung und Klima, das versucht, jedem individuell die Möglichkeit zu geben, nach seinen Bedürfnissen zu arbeiten. Sodass man Zuhause dann wirklich daheim ist und den Kopf frei hat, für die Herausforderungen, die man dort meistern muss.

Was meint ihr dazu? Wie wird Homeoffice bei euch gelebt?