Der Hype um die Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft ist vorbei. Nicht weil er verpufft wäre, sondern weil das Green Building dabei ist, Alltag zu werden. Für Entwickler und Investoren markieren Nachhaltigkeitszertifikate längst mehr als ökologisches Verantwortungsbewusstsein: Sie sind – vor allem im Bürosegment – Rendite- und Wertsteigerungsinstrumente, die eine optimale Marktplatzierung garantieren. Und zertifiziert werden inzwischen nicht nur neue Core-Objekte, sondern in großem Stil auch Bestandsimmobilien.

Green Building Singapore

Steigende Nachfrage

Das Transaktionsvolumen mit nachhaltigen Gebäuden klettert nach Erhebungen des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate in Deutschland seit 2014 kontinuierlich und beläuft sich aktuell auf rund acht Milliarden Euro. Bei den Top-Seven rangiert Frankfurt mit 164 zertifizierten Immobilien unangefochten auf dem vordersten Platz. Neubauten in der Main-Metropole werden fast automatisch zertifiziert – auch weil die als Mieter angepeilten, großen Konzerne inzwischen nahezu ausschließlich Flächen in einem Green Building anmieten. Eine Konsequenz aus den internen Corporate-Social-Responsibility-Maximen.

Die drei wichtigsten Zertifizierungen

Green Building Zertifikate

Die unterschiedlichen Zertifizierungssysteme selbst erhitzen gleichwohl kaum noch die Gemüter. Das amerikanische LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) stößt auf die gleiche Akzeptanz wie das britische BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method) und das deutsche DGNB-Label (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). Ein Green Building muss grundsätzlich in drei Dimensionen Nachhaltigkeit unter Beweis stellen. In ökologischer, ökonomischer und soziokultureller Hinsicht. Wobei sich diese Anforderungen über den gesamten Lebenzzyklus einer Immobilie erstrecken: Also von der Entwicklung über den Bau und die Nutzung bis hin zur Wartung und möglichem Recycling.

Energieeffizienz und Lebensqualität

Konkret erfasst der Zertifizierungs-Check: Die effiziente Nutzung von Energie und Ressourcen bei gleichzeitiger Reduzierung der Umweltbelastung. Einen verminderten Strom- und Wasserverbrauch, der in der Folge zu niedrigeren Betriebskosten führt. Die Qualitätsoptimierung der gesundheitlichen Bedingungen der Gebäudenutzer durch schadstofffreie Bausubstanzen und damit einhergehend eine Steigerung der Produktivität. Die Umweltverträglichkeit der Immobilie mit Blick auf die Bedingungen des jeweiligen Standorts. Ein Green Building lässt sich unter diesen Aspekten nicht nur neu bauen, auch Bestandsimmobilien können durch geeignete Sanierungsmaßnahmen ein Nachhaltigkeitszertifikat erhalten. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen stellen Anträge auf nachträgliche Zertifizierung aktuell ein sehr großes Kontingent. Dies auch vor dem Hintergrund, dass nach den Klimaschutzvorgaben der Bundesregierung der gesamte deutsche Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral sein soll.

Über alle Klassen

Ein Green Building kann eine Büro-Immobilie oder ein Einzelhandels-Objekt, ein Wohngebäude oder ein Hotel sein – die Zertifizierung ist an keine Immobilienklasse gebunden. Entwickler moderner Logistik-Komplexe peilen die Nachhaltigkeits-Label ebenso an wie Betreiber von Gewerbeparks. Weil sie inzwischen zu einem unverzichtbaren Qualitätssiegel geworden sind, dass die Zukunftsfähigkeit einer Liegenschaft dokumentiert. Die Bezeichnung Green Building hat insofern ihren „Heiligenschein“ verloren: Das ehedem Besondere ist im Begriff, Standard zu werden. Zum Wohle des Planeten.