Biophilie wird als Liebe und Verbindung des Menschen zur Natur verstanden. Der deutsche Sozialpsychologe Erich Fromm befasste sich mit dem Begriff und definierte ihn als „Liebe zum Leben oder Lebendigen“. Auch der Biologie Edward Wilson behauptet, dass wir Menschen genetisch veranlagt sind, in Einklang mit der Natur zu leben. Mittlerweile bestätigen zahlreiche europäische und amerikanische Studien, dass die Architektur eines Gebäudes positive aber auch negative Auswirkungen auf die menschliche Psyche und Gesundheit hervorrufen kann.

Colin Ellard, Direktor des Urban Realities Laboratory der kanadischen Universität Waterloo, führte eine Studie mit Menschengruppen durch, die mit Messgeräten am Handgelenk ausgestattet waren. Die Probanden mussten durch die Straßen von Berlin, New York und Mumbai laufen und die dortige Architektur auf sich wirken lassen. Die Armbänder maßen die Stimmungen und Befragungen vor Ort nahmen die persönlichen Meinungen auf. Die Ergebnisse der Studie bestätigen die Behauptung des Biologen Edward Wilson: die besten Messwerte entstanden bei Gebäuden, bei der die Natur involviert war. Gebäude mit Grünanlagen, vielen Pflanzen und Landschaftsgärten werden im Gehirn positiv aufgenommen: „Das Hirn ist auf Reize aus der Natur programmiert.“, erklärt der Forscher Arnold Wilkins der Universität Essex. Dagegen wirken sich graue und gleichförmige Fassaden eher trüb auf den Menschen aus: „Die Muster des Großstadtdschungels sind für das Hirn viel schwieriger zu verdauen, da sie sehr viel repetitiver sind“. Das Gehirn benötigt viel Sauerstoff, um das Gesehene zu verarbeiten, was in extremeren Fällen zu einem Mangel an Sauerstoff führt, was wiederum Kopfschmerzen verursacht.

Bei Biophilie geht es nicht darum, ein paar Büropflanzen ins Büro zu stellen. Es ist ein ganzheitliches Konzept, welches alles, was lebendig ist, achtet, schützt und fördert. Biophilie teilt sich in drei Kategorien auf: Natur im Raum, Naturanalogien und Natur des Raumes. Wir haben für Sie die zwei beeindruckendsten Biophilie-Designs ausgewählt:

Die Urban Farm in Tokyo

Das Kono-Gebäude in Tokyo ist eine „Urban Farm“. Um die Verbindung mit der Natur wiederherzustellen, wurde das Gebäude so konstruiert, dass die Mitarbeiter des Büros Obst- und Gemüsepflanzen, ernten und kultivieren können. In Konferenzräumen hängen Tomatenstöcke über den Tischen und Zitronen- und Passionsfrüchte dienen als Trennwände. An der Rezeption können Brokkolifelder bestaunt werden. Mitarbeiter und Anwohner vor Ort werden regelmäßig von Landwirtschaftsspezialisten beraten und geschult. Sie lernen dabei etwas über die Erhaltung und Pflege der Obst- und Gemüsefelder. Um die richtige Feuchtigkeit, eine angenehme Temperatur und einen optimalen Luftstrom sicherzustellen, überwacht ein automatisiertes Klimakontrollsystem das gesamte Gebäude.

Urban Farm
In seinem eigenen Büro einen Gemüsegarten pflegen - Quelle: www.nzz.ch

Das Khoo Teck Puat Hospital in Singapur

Die natürliche Umgebung um das Gebäude herum, inspirierte die Architekten ein „Krankenhaus im Garten“ zu erschaffen. Es ist mit Pflanzen und Blumen dekoriert und ein großer Teich bietet den Patienten sowie den Angestellten eine wunderschöne und entspannende Kulisse. Solarmodule liefern die Energie des Gebäudes. Um die Patienten vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen, existieren Sonnenschirme über den Fenstern. Sie erfüllen nebenbei auch noch eine andere wichtige Funktion: Sie leiten das Licht zur Decke um, damit die Stationen gleichmäßig ausgeleuchtet werden und sparen dadurch Energie.

Khoo Teck Puat Hospital
Naturnähe hilft den Menschen, schneller wieder gesund zu werden - Quelle: divisare.com