Statistiken zufolge belaufen sich die jährlichen Krankheitskosten pro Erwerbstätigen in Deutschland auf etwa 3300 Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt). Der Arbeitsort beeinflusst maßgeblich die mentale und die physische Gesundheit des Menschen und kann das Wohlbefinden und die Produktivität fördern oder hemmen. Forscher, Ingenieure und Architekten arbeiten daher daran, wie Büros und Gebäude gestaltet werden können, um die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhöhen.

Die Biologie als Ausgangspunkt architektonischer Innovationen

Biomimetik ist ein Ansatz, der zunehmend Bedeutung in Europa gewinnt und schon längst in Amerika bekannt ist. Bio bedeutet Leben und Mimesis steht für Nachahmung. Unter Biomimetik versteht man folglich die Überführung biologischer Kenntnisse in technische Anwendungen. Als erster „biomimetischer“ Forscher gilt Leonardo da Vinci. Er beobachtete u.a. die Formveränderungen von Vogelflügeln zur Entwicklung von Flugmaschinen.

BOB – Biomimetric Office Building

Der bekannteste Architekt im Bereich Biomimetik ist der Engländer Michael Pawlyn. Er ist davon überzeugt, dass es in der Natur Kenntnisse und Weisheiten gibt, die der Mensch benötigt, um die natürlichen Ressourcen besser zu nutzen. Dabei sind allerdings drei Dinge nötig: eine radikale Steigerung der Ressourceneffizienz, eine Wandlung des Ressourcenverbrauchs hin zu einem geschlossenen Kreislauf und schließlich fordert er eine Veränderung im Bereich der fossilen Brennstoffwirtschaft. Für alle drei Herausforderungen hält die Natur eine Menge Lösungen bereit.

BOB – Energiesparende, nachhaltige und gesundheitsfördernde Büros
BOB – Energiesparende, nachhaltige und gesundheitsfördernde Büros - Quelle: www.factor-tech.com

Gemeinsam mit Biologen, Architekten und Ingenieuren entwickelt Pawlyn ein biomimetisches Büro namens BOB, welches ein neues Paradigma in Hinsicht auf Qualität und Energie darstellt. Das Gebäude soll die Mitarbeiter dazu anregen, produktiver zu sein. Mit Hilfe einer Methode, basierend auf dem sog. Gespensterfisch, fanden sie einen Weg, Licht in den unter der Erde liegenden Teil des Gebäudes zu bringen. Der Gespensterfisch hat in seinen röhrenförmigen Augen statt klassischen Linsen eine Art Spiegel, der das ankommende Licht auf die Netzhaut reflektiert. Durch diesen Spiegel ist er in der Lage, sehr geringe Lichtmengen zu fokussieren. Dieser Aufbau wurde auf das Gebäude übertragen, indem ein großer zylinderförmiger Schacht das Sonnenlicht auf einen unten befestigten Reflektor leitet, sodass es in die unteren Räume gelenkt wird.