Unterirdische Konstruktionen sind keine Neuheiten für die Menschheit. Um sich vor Angriffen, sei es von Tieren, von Menschen oder von extremen Wetterbedingungen zu schützen, wohnten die Menschen der Frühzeit in Höhlen. Gegenwärtig kämpfen wir mit dem Mangel an Bauplätzen und kehren so wieder zu unseren Wurzeln zurück. Architekten und Stadtentwickler messen dem unterirdischen Bauen ein großes Potenzial zu: es zeichnet sich dadurch aus, dass es besonders ökonomisch und umweltschonend ist und einem viel Spielraum für Kreativität lässt.

Unterirdische Konstruktionen machen es möglich: Häuser, Städte und Parks

Der Underground Master Plan von Helsinki

Die Stadt Helsinki baut seit 1960 unterirdische Konstruktionen und ist damit die erste Stadt der Welt, die solche Konzepte entwickelt. Mehr als 400 Grundstücksflächen und 200 Tunnelkilometer wurden bereits Untertage gebaut. Zudem wurden bisher mehr als 200 neue Anfragen bei der Stadt eingereicht, um neue, zukünftige Bauprojekte durchführen zu dürfen.

Unter der Erde befinden sich bereits Tunnel für Eisenbahnlinien und Straßen, Parklätze, Sporthallen, ein Rechenzentrum, ein Shoppingcenter, Lagerhallen, eine Kirche und ein riesiges Schwimmbad.

Temppeliaukio Kirche
Temppeliaukio Kirche unter der Erde: Verschmelzung von Natur und Architektur

Unterirdische Konstruktionen spielen eine große Rolle in der Entwicklung von Helsinkis Infrastruktur sowie für die benachbarten Gebiete: über die Tunnel werden diese miteinander verbunden, um so effektiver und ökologischer Personen und Güter transportieren zu können. Die Einrichtungen dienen nicht nur dem Offensichtlichen: das Schwimmbad z.B. dient neben der Hauptfunktion als Sportanlage, auch als Notunterkunft für 3.800 Personen.

Der Meister der Erdhäuser

Der Schweizer Peter Velsch ist seit 1974 spezialisiert auf sogenannte Erdhäuser. Er baute bereits mehr als 90 von ihnen. Er achtet dabei besonders auf ökologische und umweltfreundliche Aspekte. Seine Vision ist ein einheitlicher und respektvoller Umgang mit der Natur: „Die Architektur der Zukunft sollte die Natur nicht beherrschen, sondern sie sollte sich ihr unterordnen.“ Ein Bauwerk im Einklang mit der Natur profitiert von ihren natürlichen Ressourcen: Die Erde kühlt im Sommer und  verhindert im Winter, dass die Erdschicht zu schnell auskühlt. Ferner fungiert sie als eine Art Dach und sorgt für mehr Grünfläche. Ein weiterer positiver Effekt ist die damit verbundene Verbesserung der Luftqualität, die bei einem Erdhaus sogar garantiert wird.

Erdhaus
Schön grün: Erdhäuser bewahren die Natur und die Ökosysteme - Quelle: www.erdhaus.ch

Ein unterirdischer Park in New York

Das Lowline Projekt ist ein seit 2011 in der Entwicklung befindliches Bauvorhaben, einen Park Untertage anzulegen. Dazu wurde eine seit 1948 stillgelegte Straßenbahnendstation im Stadtteil Manhattan genutzt. Der Clou daran sind Glasfaserkabel, die das Sonnenlicht nach unten transportieren, um den Pflanzen die Photosynthese zu ermöglichen. Durch eine Tech Demo im Jahre 2012 konnten seitdem viele Besucher begeistert werden.

Lowline Projekt
Das Lowline Projekt: die Wiederbelebung der Natur - Quelle: thelowline.org